23.10.2020 · 11:24 · Stefan Fichtl

Ein Autohaus wird zum Kohlenstoffspeicher und spart tonnenweise CO2.

Mit dem Autohaus Nadler aus Eresing verbindet uns eine langjährige Freund- und Partnerschaft. Ein gemeinsames Bauprojekt gibt nun ein sichtbares Zeugnis für diese gewachsene Verbindung ab. Wir möchten damit unsere Freundschaft aber weder zementieren noch untermauern, sondern vielmehr auf natürliche Weise wachsen lassen – selbstverständlich mit Holz, dem nachhaltigsten Baustoff der Welt.

Als Heinrich Nadler erzählte, dass er im neuen Gewerbegebiet an der Geltendorfer Straße ein neues Autohaus bauen möchte, damit er in Zukunft seinen Kunden auf 1000 Quadratmeter Nutzfläche einen noch besseren Service anbieten kann, haben wir uns sofort zusammengesetzt. 

Ein Bio-Autohaus aus Holz

Vom ersten Tag an ging es uns um die Idee, das erste „Bio-Autohaus“ in der Region zu bauen. Was heißt das? Wir wollen beim Gewerbebau so nachhaltig wie möglich bauen und die hohen ökologischen Standards einhalten, die wir bei unseren Einfamilienhäusern aus Holz erfüllen. Das Projekt soll außerdem eine Vorbildfunktion für den Gewerbebau einnehmen, weil es nicht nur wie übliche Gewerbebauten aus einem Holzgerippe besteht, sondern der gesamte diffusionsoffene Wandaufbau mit ökologischen Materialien umgesetzt wird. Bauherr Heinrich Nadler war sich von Anfang an bewusst, dass effektive Lösungen für Klima- und Ressourcenprobleme bereits beim Bau neuer Gebäude maßgeblich verwirklicht werden können. „Der Bau eines Holzgebäudes ist praktizierter Klimaschutz. Als Autoverkäufer liegt mir das besonders am Herzen, da Autofahren mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren ja bekanntlich das Klima schädigt. Deshalb richten wir uns auch immer stärker auf die Elektromobilität aus“, erklärt er. 

So wächst bereits seit Juli in Eresing ein Gewerbebau heran, bei dem sich die Themen Energieeffizienz, CO2-Einsparung, der Einsatz erneuerbarer Energien und das Cradle-to-Cradle-Prinzip vereinen.

Das geplante Gebäude wird in der Praxis den KfW 55 Standard unterbieten und entspricht dem höchsten förderfähigen Effizienzgebäudestandard für gewerblich genutzte Neubauten.So wird der Heizenergieverbrauch zukünftig durch einen hohen Wärmeschutz deutlich gesenkt und der CO2-Ausstoß nachhaltig reduziert. Zudem wird eine 100 Kilowatt Photovoltaik-Anlage auf der Dachfläche ausreichend Strom zur Deckung des gesamten Eigenbedarfs und zur Versorgung der eigenen Elektroauto-Flotte erzeugen. 

Holzbauweise macht das Autohaus zur CO2Senke

Mit der Holzbauweise wird aber noch viel mehr erreicht: Als nachhaltig gebautes Gebäude ist das Autohaus zugleich eine riesige CO2-Senke.  Denn durch den Verzicht auf konventionelle Baustoffe und dank der Verwendung von Holz und Holzbaustoffen werden bereits beim Bau mehrere hundert Tonnen CO2 gespeichert bzw. gar nicht erst erzeugt. 

Das Bauen mit Holz ist eine ausgesprochen effiziente CO2-Speichertechnologie, weil Bauholz über die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes CO2 bindet und das schädliche Treibhausgas der Atmosphäre entzieht. Bäume beherrschen sozusagen von Natur einen Zaubertrick, durch den sie Kohlenstoff in ihrer Biomasse fixieren können. Mit der Verwendung als Baumaterial wird dieser Fixierungszeitraum immens verlängert. Jeder Kubikmeter Holz bindet im Ergebnis etwa 0,9 Kilogramm CO2, also fast eine Tonne. Zudem kann der nachwachsende Rohstoff Holz leicht und ohne aufwendige Recyclingprozesse wieder in technische oder biologische Kreisläufe zurückgeführt werden. 

Ebenso wichtig ist aber der sogenannte Substitutionseffekt, denn Stahl, Zement und Beton haben eine verheerende CO2-Bilanz. Der Ersatz von Beton, Zement, Stahl und weiteren konventionellen Baustoffen vermeidet CO2-Emissionen in riesigen Mengen. Die Zementherstellung ist einer der größten CO2-Schleudern schlechthin, sie ist für sage und schreibe vier bis acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Pro eingesparter Tonne Zement wird circa eine Tonne CO2 weniger erzeugt. 

Ersetzt wurden beim Bau:

  • 125 m³ Stahlbetonfertigteile für die Außenwände in 20 cm Dicke (625 Quadratmeter)
  •  55 m³ Beton in 20 cm Dicke für den Innenwände (275 Quadratmeter)
  • 90 m³ Ziegelmauerwerk in 17,5 cm beidseitig verputzt (90 Quadratmeter)
  •  15 m³ Kalkzementputz 
  •  85 m³ Betonstützen, Betonbinder und Unterzüge
  •  15 m³ Betondecken 
  •  57 m³ Außenwanddämmung in mindestens 12 cm aus Polyurethan (PU) (480 Quadratmeter)

Verbaut wurden anstatt dessen:

  • 169 m³ Massivholz ohne Brettschichtdecken (KVH, BSH, Duo, LSH, C24)
  • 33 m³ Brettschichtholzdecken
  • 11,9 m³ 5-Schichtplatten Dach 35 mm (340 Quadratmeter)
  • 21,5 m³ OSB am Dach 30 mm (714 Quadratmeter)
  • 7,7 m³ OSB an Wänden 15 mm (514 Quadratmeter)
  • 8,4 m³ DWD (MDF-Platte) an Wänden 16 mm (528 Quadratmeter)
  • 153 m³ Zellulosedämmung, Einblasrohdichte min 55 kg/m³.

Allein durch die große Menge der eingesetzten Holzbauelemente und Zellulosedämmstoffe funktioniert das Gebäude wie eine CO2-Senke und speichert Kohlenstoff von rund 200 Tonnen CO2. Zusätzlich werden durch den Verzicht auf konventionelle Baustoffe, Treibhausgasemissionen aus der Zement- und Stahlproduktion in ähnlicher Größenordnung vermieden. 

Zusammen gerechnet ersparen wir so der Umwelt mindestens 400 Tonnen CO2. Zum Vergleich: Etwas weniger als eine Tonne CO2 erzeugt ein Mittelklasse-PKW mit 8,5 Liter Benzinverbrauch auf der Strecke von Eresing nach Moskau und wieder zurück. Wir haben also über 400 Autoreisen nach Moskau bereits beim Bau kompensiert.